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Die fortschreitende Integration Künstlicher Intelligenz (KI) in zahlreiche Lebens- und Arbeitsbereiche wirft grundlegende Fragen zur Mensch-KI-Interaktion auf. Eine zentrale Rolle spielt dabei das Vertrauen, das Menschen in diese Systeme setzen. Forschende der Technischen Universität Berlin haben in einem DFG-geförderten Projekt innovative Wege beschritten, um dieses Phänomen zu untersuchen. Ihre Arbeit beleuchtet, wann und wie sich unser Gehirn auf KI-Systeme verlässt und dabei kognitive Aufgaben auslagert.
Im Mittelpunkt der Untersuchung steht das Konzept des kognitiven Offloadings. Dies beschreibt den Prozess, bei dem Menschen kognitive Funktionen wie Aufmerksamkeit oder Gedächtnis an externe Systeme delegieren. Wenn beispielsweise ein Navigationssystem die Routenplanung übernimmt, lagern wir einen Teil unserer Orientierungsfähigkeiten aus. Die Berliner Forschenden gehen der Frage nach, inwiefern sich ein solches Offloading auch bei der Interaktion mit KI-Systemen beobachten lässt und ob es als Indikator für Vertrauen dienen kann.
Anders als bei traditionellen Methoden, die auf subjektiven Befragungen oder Verhaltensbeobachtungen basieren, setzten die Wissenschaftler auf die Messung der Gehirnaktivität mittels Elektroenzephalogramm (EEG). Dieses Verfahren ermöglicht die schmerzfreie Erfassung elektrischer Hirnströme mit hoher zeitlicher Präzision und liefert objektive Daten über Veränderungen in der Aufmerksamkeit und Gedächtnisarbeit.
Die ersten Ergebnisse des Forschungsprojekts, die in zwei Studien veröffentlicht wurden, bieten detaillierte Einblicke in die neuronalen Korrelate von Vertrauen:
Diese Erkenntnisse legen nahe, dass die "objektive" Kompetenz eines KI-Systems einen direkten Einfluss darauf hat, wie stark Menschen kognitive Prozesse an die Technologie auslagern. Eine zuverlässige KI führt zu einem entspannteren Gehirn und einer geringeren eigenen kognitiven Beanspruchung, während eine unzuverlässige KI die Aufmerksamkeit und Kontrollfunktion des Menschen erhöht.
Die Ergebnisse der TU Berlin sind besonders relevant für Bereiche, in denen Mensch und KI in sicherheitskritischen Kontexten zusammenarbeiten. Dazu gehören beispielsweise die medizinische Diagnostik, die Qualitätskontrolle in der Industrie oder der Verkehr. In solchen Feldern kann ein "fehlkalibriertes" Vertrauen gravierende Folgen haben:
Das Forschungsprojekt liefert eine neue Grundlage, um Vertrauen in KI objektiv und kontinuierlich zu messen, ohne die laufende Aufgabe zu unterbrechen. Dies könnte langfristig dazu beitragen, KI-Systeme nicht nur besser zu bewerten, sondern auch gezielter zu gestalten.
In den nächsten Schritten planen die Forschenden, die gewonnenen neuronalen Messdaten mit bestehenden Vertrauensmodellen zu verknüpfen. Dabei sollen Faktoren wie die wahrgenommene Leistungsfähigkeit der KI, das empfundene Risiko und die Transparenz des Systems genauer untersucht werden. Ein weiterer Fokus liegt auf der Analyse von Vertrauensdynamiken, beispielsweise wie sich Vertrauen nach Systemfehlern wiederherstellen lässt. Letztendlich zielt die Forschung auf die Entwicklung adaptiver KI-Systeme ab, die sich an das Verhalten der Nutzer anpassen und diese gezielt in Phasen hoher kognitiver Belastung unterstützen können. Das Ziel ist eine belastbare Vertrauenskultur im Umgang mit KI.
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