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Die Softwareentwicklung ist ein komplexes Feld, in dem Missverständnisse zwischen den beteiligten Parteien – Fachexperten, Anwendern und Entwicklern – häufig zu Projektverzögerungen oder suboptimalen Lösungen führen. Ein zentraler Ansatz zur Überwindung dieser Herausforderungen ist das kollaborative Modellieren, das auf den Prinzipien des Domain-Driven Design (DDD) basiert. Dieser Ansatz rückt das gemeinsame Verständnis der Fachdomäne in den Mittelpunkt und betont die Notwendigkeit, abstrakte Konzepte sichtbar und greifbar zu machen.
Oftmals scheitern Softwareprojekte nicht an technologischen Hürden, sondern an mangelnder oder missverständlicher Kommunikation. Stefan Priebsch, ein Experte für Software Success Consulting, unterstreicht, dass „IT kein technisches Thema, sondern ein Menschenthema“ ist. Er argumentiert, dass eine effektive Zusammenarbeit die Grundlage für erfolgreiche Softwarelösungen bildet. Um dies zu erreichen, müssen alle Beteiligten eine gemeinsame Sprache sprechen und ein tiefes Verständnis für die Geschäftsprozesse entwickeln, die die Software abbilden soll.
Ein Kernprinzip, das Stefan Priebsch in seiner Arbeit vertritt, lautet: „Diskutiere nie etwas Unsichtbares.“ Dies bedeutet, dass alle Konzepte, Prozesse und Anforderungen, die in Softwareprojekten besprochen werden, visualisiert und konkretisiert werden müssen. Was lediglich in den Köpfen der Projektbeteiligten existiert, birgt ein hohes Potenzial für Fehlinterpretationen. Modelle, Diagramme, Klebezettel oder auch Rollenspiele dienen dazu, diese unsichtbaren Aspekte sichtbar zu machen und eine gemeinsame Diskussionsgrundlage zu schaffen.
Eine besonders effektive Methode, um ein tiefes Verständnis für Geschäftsprozesse zu entwickeln, sind Rollenspiele. Priebsch beschreibt, wie Teilnehmer in Workshops Alltagsszenarien, wie beispielsweise den Ablauf in einem Restaurant, nachstellen. Indem sie verschiedene Rollen – Koch, Kellner, Gast – übernehmen, werden Prozesse und Interaktionen greifbar. Fragen, die in abstrakten Diskussionen oft unbeantwortet bleiben, treten hier schnell zutage: Wie werden Bestellungen aufgenommen? Was passiert bei einer Reklamation? Jede identifizierte Rolle und jedes relevante Artefakt wird dabei dokumentiert, beispielsweise auf Klebezetteln. Dies führt in kurzer Zeit zu einer ersten Modellierung der Domäne und deckt offene Fragen auf.
Der psychologische Effekt solcher Rollenspiele ist nicht zu unterschätzen. Entwickler, die einen Prozess aktiv erlebt und durchgespielt haben, entwickeln eine stärkere „innere Verbindung“ und ein intuitiveres Verständnis für die Anforderungen. Dies hilft, die Kluft zwischen Fachexperten und technischen Teams zu überbrücken und reduziert das Risiko, dass Software an den tatsächlichen Bedürfnissen vorbeientwickelt wird. Zudem ermöglichen Rollen wie "Dokumentar" oder "Analyst" auch zurückhaltenderen Teilnehmern, sich aktiv in den Prozess einzubringen.
Neben Rollenspielen gibt es weitere kollaborative Modellierungsmethoden, die je nach Situation und Teamdynamik zum Einsatz kommen können:
Ein Mix aus aktivierenden und dokumentierenden Verfahren, angepasst an die spezifische Ausgangssituation und Fragestellung, wird empfohlen, um optimale Ergebnisse zu erzielen.
Ein zukunftsweisender Aspekt in der kollaborativen Modellierung ist die Integration von Künstlicher Intelligenz. Stefan Priebsch sieht Potenzial darin, KI in die Rolle eines fehlenden Fachexperten zu versetzen. Obwohl die Antworten einer KI nicht immer fehlerfrei sein mögen, können sie dennoch wertvolle Anregungen liefern und neue Perspektiven eröffnen. Es wird erwartet, dass KI in Zukunft als gleichberechtigter Gesprächspartner an Modellierungssitzungen teilnehmen könnte, um die Effizienz und Tiefe des Verständnisses weiter zu steigern.
Die Unterstützung durch KI kann dabei helfen, den Fokus auf den "Happy Path" zu legen – den idealen und wertschöpfenden Ablauf eines Prozesses – und technische Sonderfälle, die oft von der eigentlichen Domäne ablenken, frühzeitig zu identifizieren und zu priorisieren. Zudem kann KI bei der Analyse helfen, wo die Kernkompetenzen eines Unternehmens liegen und welche generischen Bereiche, wie beispielsweise die Buchhaltung, besser durch Standardlösungen abgedeckt werden können.
Das Ziel jeder dieser Modellierungsworkshops ist die Erstellung eines Modells – einer vereinfachten, aber präzisen Abbildung der Realität. Dieses Modell wird iterativ weiterentwickelt und dient als gemeinsame Referenz für alle Projektbeteiligten. Durch die Verkürzung der Feedback-Schleifen und die frühzeitige Konsolidierung des Verständnisses können Missverständnisse minimiert und die Entwicklung von Software, die den tatsächlichen Anforderungen entspricht, deutlich beschleunigt werden. Dies trägt dazu bei, dass Software vom reinen Kostenfaktor zu einem echten Erfolgsfaktor für Unternehmen wird.
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