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Die Nachricht, dass das weithin genutzte PostgreSQL-Backup-Tool pgBackRest nicht mehr aktiv gepflegt wird, hat in der Open-Source-Welt eine intensive Diskussion ausgelöst. David Steele, der Hauptentwickler des Projekts, gab bekannt, dass er keine ausreichende Finanzierung finden konnte, um seine Arbeit fortzusetzen, und hat das Projekt auf GitHub archiviert. Dieser Schritt wirft ein Schlaglicht auf die prekäre finanzielle Lage vieler kritischer Open-Source-Projekte und die Notwendigkeit nachhaltiger Finanzierungsmodelle, insbesondere angesichts des rasanten Aufstiegs der Künstlichen Intelligenz (KI).
pgBackRest hat sich über 13 Jahre hinweg als ein Eckpfeiler der PostgreSQL-Infrastruktur etabliert. Es bot eine robuste und funktionsreiche Lösung für inkrementelle Backups, Point-in-Time-Recovery (PITR), Parallelwiederherstellung und Cloud-Speicherintegration. Viele Unternehmen, von kleinen Start-ups bis zu großen Konzernen, vertrauten auf dieses Tool zur Sicherung ihrer wertvollen Daten.
David Steele hatte das Projekt über Jahre hinweg mit Leidenschaft vorangetrieben, oft mit Unterstützung durch Unternehmenssponsoring, zuletzt durch Crunchy Data. Nach dem Verkauf von Crunchy Data an Snowflake im Jahr 2025 änderte sich die strategische Priorität. Steele konnte keine neue Position finden, die ihm die Fortsetzung seiner Arbeit an pgBackRest ermöglicht hätte, und auch Bemühungen zur Sicherung unabhängiger Sponsoren blieben erfolglos. Diese Entwicklung zeigt exemplarisch, wie die Abhängigkeit von einzelnen Unternehmen oder Personen ein erhebliches Risiko für die Stabilität von Open-Source-Projekten darstellen kann.
Die Einstellung von pgBackRest wird von vielen in der Community als Symptom eines breiteren Problems betrachtet: der "KI-Goldrauschs". Laetitia Avrot, ein ehemaliges Mitglied des Postgres Code of Conduct Committee, weist darauf hin, dass Unternehmen derzeit offenbar mehr Wert auf die Bereitstellung von RAM und GPUs für KI-Anwendungen legen als auf die Finanzierung grundlegender Infrastruktursoftware. Das Open-Source-Modell, so Avrot, funktioniere nur, wenn diejenigen, die den Wert aus der Software schöpfen, auch zu deren Erhalt beitragen.
Diese Beobachtung wird durch weitere Beispiele untermauert: Projekte wie Tailwind CSS mussten Personal entlassen, da ihre Einnahmen durch KI-Tools, die kostenlosen Code generieren, drastisch sanken. KI-Modelle werden mit riesigen Mengen an Open-Source-Code trainiert, wodurch sie in der Lage sind, Aufgaben zu automatisieren, die zuvor menschliche Expertise erforderten. Dies untergräbt die traditionellen Geschäftsmodelle, die viele Open-Source-Projekte am Leben erhalten, wie etwa den Verkauf von Designvorlagen oder den Support für spezifische Anwendungen.
Das Problem verschärft sich auch durch die massive Zunahme von KI-generierten Bug-Reports und Sicherheitsmeldungen, die Open-Source-Entwickler überfordern und von der eigentlichen Weiterentwicklung abhalten. Die Linux Foundation und Tech-Unternehmen haben hierfür bereits eine Initiative gestartet, um Unterstützung zu bieten, doch die grundlegende Frage der Finanzierung bleibt bestehen.
Für Anwender von pgBackRest stellt sich nun die dringende Frage nach Alternativen. Die Community diskutiert verschiedene Optionen:
pg_basebackup --incremental und pg_combinebackup inkrementelle Backups direkt. Allerdings fehlt es hier an integriertem Retention-Management und erweiterten Funktionen, die eine manuelle Skripterstellung erfordern.Es wird betont, dass pgBackRest in seiner aktuellen Version (v2.58.0) weiterhin funktionsfähig ist und PostgreSQL bis Version 18 unterstützt. Anwender sollten jedoch eine Migration innerhalb der nächsten Monate bis zu einem Jahr planen, da keine weiteren Bugfixes oder Sicherheitsupdates mehr zu erwarten sind.
Die Situation um pgBackRest hat die Diskussion über nachhaltige Finanzierungsmodelle für Open Source neu entfacht. Mehrere Ansätze werden diskutiert:
Die Debatte verdeutlicht, dass die Ära der reinen Freiwilligkeit im Open-Source-Bereich an ihre Grenzen stößt. Es bedarf eines Systems, das den Wert der zugrunde liegenden Arbeit schützt und sicherstellt, dass die "Intelligenz" der Maschinen nicht zum Nachteil der menschlichen Zusammenarbeit wird. Die Zukunft der digitalen Infrastruktur hängt maßgeblich davon ab, wie diese Herausforderungen gemeistert werden.
Für Unternehmen, die auf Open-Source-Software angewiesen sind, ergeben sich aus dieser Entwicklung klare Implikationen. Es ist entscheidend, die Abhängigkeiten von einzelnen Projekten und Maintainern genau zu analysieren. Eine Diversifizierung der genutzten Tools und die aktive Beteiligung an der Open-Source-Community – sei es durch finanzielle Unterstützung, Code-Beiträge oder die Bereitstellung von Ressourcen – werden zunehmend wichtiger. Die langfristige Stabilität und Sicherheit der eigenen IT-Infrastruktur hängt direkt von der Gesundheit des Open-Source-Ökosystems ab. Die aktuelle Situation um pgBackRest ist ein Weckruf, die Art und Weise, wie wir Open Source nutzen und finanzieren, grundlegend zu überdenken.
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