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Die digitale Souveränität ist ein zentrales Thema für Unternehmen und öffentliche Institutionen in Deutschland und Europa. Angesichts der Notwendigkeit, sensible Daten zu schützen und regulatorische Anforderungen zu erfüllen, suchen viele Organisationen nach Cloud-Lösungen, die sowohl die Vorteile globaler Hyperscaler bieten als auch höchste Standards in Bezug auf Datenschutz und Kontrolle einhalten. In diesem Kontext hat Google Cloud eine strategische Partnerschaft mit dem französischen Technologiekonzern Thales bekannt gegeben, um bis Ende 2026 eine souveräne Cloud in Deutschland zu etablieren. Diese Initiative soll den Anforderungen an digitale Souveränität im deutschen Markt gerecht werden.
Die geplante souveräne Cloud-Lösung in Deutschland basiert auf einem Modell, bei dem Thales eine zentrale Rolle einnimmt. Das französische Unternehmen soll die Verwaltung der kryptografischen Schlüssel für die deutsche Plattform übernehmen. Der Betrieb der Cloud-Infrastruktur wird durch eine neue, rechtlich und operativ von Google getrennte deutsche Gesellschaft erfolgen, die vollständig Thales gehört und mit lokalem Personal besetzt ist. Diese Struktur soll sicherstellen, dass die Kontrolle über Root of Trust, Schlüssel, IP-Adressen, Identitäten und den gesamten Betrieb bei Thales liegt und Google keinen direkten Zugriff auf den Betrieb oder die Daten hat.
Das Modell ähnelt dem Dienst PREMI3NS, den die Thales-Tochter S3NS bereits in Frankreich anbietet. Es ist vorgesehen, dass beide Regionen – Deutschland und Frankreich – sich gegenseitig als Ausweichstandort dienen, um eine grenzüberschreitende Notfallwiederherstellung in Europa zu ermöglichen. Die Plattform ist darauf ausgelegt, die Kriterien des neuen BSI-Rahmenwerks C3A zu erfüllen, welches spezifische Anforderungen an Cloud-Dienste in Deutschland festlegt.
Google Cloud unterscheidet bei seinen souveränen Cloud-Angeboten drei Stufen, um unterschiedlichen Anforderungen gerecht zu werden:
Die verschiedenen Stufen sind laut Unternehmensangaben API-kompatibel, was die Entwicklung von Anwendungen in der Public Cloud und deren anschließende Migration auf eine souveräne Stufe erleichtern soll. Dieses Prinzip ermöglicht es Unternehmen, ihre Anwendungen einmal zu entwickeln und dann flexibel in verschiedenen souveränen Umgebungen bereitzustellen.
Der Markt für souveräne Cloud-Dienste in Europa ist von wachsender Konkurrenz geprägt. Neben Google Cloud sind auch andere große Anbieter wie AWS mit seiner European Sovereign Cloud und Microsoft aktiv. Zudem drängen deutsche Anbieter wie STACKIT der Schwarz-Gruppe in diesen Markt. Google unterstreicht sein Engagement in Deutschland durch erhebliche Infrastrukturinvestitionen von insgesamt 5,5 Milliarden Euro bis zum Jahr 2029.
Ein weiterer Schwerpunkt des Google Cloud DACH-Summits lag auf dem Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) und insbesondere auf der Einführung von KI-Agenten. Mit Gemini Enterprise beabsichtigt Google, KI-Agenten einem breiten Kreis von Mitarbeitern zugänglich zu machen. Dies reicht von vorgefertigten Agenten wie Deep Research bis hin zu einem No-Code-Baukasten, der es Mitarbeitern ermöglicht, eigene, an Unternehmensdaten angebundene Agenten zu erstellen.
Als prominentes Anwendungsbeispiel wurde die Robert Bosch GmbH genannt. Bosch hat 120.000 Lizenzen für Gemini Enterprise erworben und die Plattform unternehmensweit eingeführt. Ein siebenmonatiger Test mit mehreren tausend Power-Usern ging dieser Implementierung voraus. Die Entscheidung für Google Cloud wurde unter anderem mit den Anforderungen an Datenresidenz und Compliance begründet. Weitere namhafte Kunden in der DACH-Region sind Mercedes-Benz und Otto.
Karthik Narain, Chief Product and Business Officer von Google Cloud, thematisierte auf dem Summit auch die aktuelle Versorgungslage bei Rechenkapazität. Die Nachfrage übersteige derzeit das Angebot, was zu einer Priorisierung bestehender Enterprise-Zusagen und einer sorgfältigen Prüfung neuer Zusagen führe. Kurzfristig mietet Google Rechenleistung bei xAI an, um Engpässe zu überbrücken. Steigende Speicherpreise werden durch langfristige Verträge abgefedert. Zudem bietet Google seine TPU-Pods für den Einsatz in Rechenzentren von Partnern an.
Google setzt zudem verstärkt auf die Entwicklung eigener Chips: Die achte Generation der TPUs (Tensor Processing Units) ist für KI-Berechnungen optimiert, während der Arm-Prozessor Axion für allgemeine Workloads konzipiert wurde. Für Axion wird ein bis zu doppelt so gutes Preis-Leistungs-Verhältnis und ein um 80 Prozent besserer Wert pro Watt im Vergleich zu x86-Instanzen angegeben. Diese Eigenentwicklungen sollen die Abhängigkeit von externen Hardware-Anbietern reduzieren und die Effizienz der Cloud-Dienste steigern.
Die Einführung einer souveränen Cloud-Lösung in Deutschland durch Google Cloud in Partnerschaft mit Thales stellt einen wichtigen Schritt zur Stärkung der digitalen Souveränität im europäischen Raum dar. Die detaillierte Ausgestaltung der Partnerschaft, die verschiedenen Souveränitätsstufen und die Einhaltung deutscher Regulierungsstandards wie des BSI-Rahmenwerks C3A zeigen ein klares Engagement für die spezifischen Anforderungen des deutschen Marktes. Gleichzeitig verdeutlichen die Herausforderungen bei der Rechenkapazität und die strategischen Investitionen in Eigenentwicklungen wie TPU und Axion die dynamische Entwicklung im Cloud- und KI-Sektor. Für B2B-Kunden in Deutschland und Europa bieten diese Entwicklungen erweiterte Optionen für den sicheren und souveränen Betrieb ihrer digitalen Infrastrukturen.
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