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Der chinesische E-Commerce-Riese Alibaba hat Berichten zufolge seinen Mitarbeitern die Nutzung des KI-Modells Claude des US-amerikanischen Start-ups Anthropic untersagt. Diese Anweisung, die ab dem 10. Juli 2026 greifen soll, fordert die Beschäftigten zudem auf, alle entsprechenden Anthropic-Softwareprodukte, einschließlich der Modelle Sonnet, Opus und Fable, von ihren Arbeitsgeräten zu entfernen. Als Alternative wird Alibabas eigene Plattform Qoder empfohlen.
Die Gründe für dieses Verbot sind vielschichtig und spiegeln die zunehmenden Spannungen im globalen KI-Sektor wider. Im Zentrum der aktuellen Entwicklung steht die Entdeckung einer angeblichen "Hintertür" im Quellcode von Claude. Berichte legen nahe, dass eine bestimmte Programmversion von Claude Code, datiert auf den 2. April 2026, Funktionen enthielt, die es Anthropic ermöglichten, chinesische Nutzer zu identifizieren oder deren Verbindung zu chinesischen KI-Entwicklern festzustellen.
Diese Funktion soll Anthropic nach eigenen Angaben im Rahmen eines Experiments eingeführt haben, um Missbrauch durch nicht autorisierte Wiederverkäufer zu verhindern und sich gegen die sogenannte "Destillation" zu schützen. Bei der Destillation handelt es sich um eine Praxis, bei der das Wissen eines bestehenden, oft fortschrittlichen KI-Modells extrahiert und verwendet wird, um ein neues Modell zu trainieren. Dies kann als Verletzung geistigen Eigentums angesehen werden.
Die Entscheidung Alibabas kommt nicht unerwartet, sondern ist Teil eines schon länger schwelenden Konflikts zwischen den beiden Unternehmen. Bereits im Vormonat hatte Anthropic Alibaba öffentlich des "KI-Modell-Diebstahls" bezichtigt. In einem an US-Senatoren gerichteten Brief, der von der "Financial Times" veröffentlicht wurde, erhob Anthropic den Vorwurf, Alibaba habe durch massive Zugriffe auf Claude versucht, die Logik des Modells unrechtmäßig abzugreifen. Anthropic forderte in diesem Zusammenhang Maßnahmen des US-Kongresses, um solche "Destillationskampagnen" zu unterbinden.
Anthropic, das die Nutzung seiner Modelle in China generell untersagt, soll aktiv daran arbeiten, Schlupflöcher zu schließen, die chinesischen Nutzern den Zugang zu Claude ermöglichen. Die nun von Alibaba angeprangerte "Hintertür" könnte eine direkte Konsequenz dieser Bemühungen sein.
Aus Alibabas Perspektive könnten die entdeckten Funktionen im Claude-Code erhebliche Sicherheits- und Datenschutzrisiken darstellen. Die Möglichkeit, Nutzerdaten oder deren geografische Herkunft ohne explizite Zustimmung zu identifizieren, könnte gegen interne Unternehmensrichtlinien und möglicherweise auch gegen Datenschutzbestimmungen verstoßen. Die Anweisung, auf die eigene KI-Plattform Qoder umzusteigen, unterstreicht Alibabas Bestreben, die Kontrolle über unternehmensinterne KI-Nutzung und Datenflüsse zu behalten und die Abhängigkeit von externen Anbietern zu reduzieren.
Dieser Fall beleuchtet die zunehmende Komplexität im Umgang mit KI-Technologien in global agierenden Unternehmen. Fragen der Datensouveränität, des Schutzes geistigen Eigentums und der nationalen Sicherheit verschmelzen und erfordern von Unternehmen präzise und strategisch fundierte Entscheidungen.
Der Vorfall zwischen Alibaba und Anthropic ist auch im Kontext der breiteren geopolitischen Spannungen und des Wettbewerbs um die Vorherrschaft in der KI-Entwicklung zu sehen. Die US-Regierung hatte bereits im Juni Maßnahmen ergriffen, die den Zugang zu bestimmten Anthropic-Modellen (Fable und Mythos) für Nicht-US-Bürger einschränken. Solche Schritte unterstreichen die wachsende Bedeutung von KI als strategisches Gut und die damit verbundenen Bemühungen, die Verbreitung sensibler Technologien zu kontrollieren.
Die Auseinandersetzung zwischen Alibaba und Anthropic ist ein Beispiel dafür, wie der Wettbewerb um KI-Fähigkeiten und -Ressourcen zu Konflikten führen kann, die weitreichende Auswirkungen auf die Unternehmensstrategie, die Cybersicherheit und die internationale Zusammenarbeit haben. Für B2B-Entscheidungsträger verdeutlicht dies die Notwendigkeit, bei der Implementierung von KI-Lösungen nicht nur die technischen Möglichkeiten, sondern auch die rechtlichen, ethischen und geopolitischen Rahmenbedingungen sorgfältig zu prüfen.
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